Le Bateau

Es ist jetzt an der Zeit, die Protagonistin unserer Reise vorzustellen, unser Schiff…

Es ist immer so eine Frage, wie man es nennt, überhaupt ob man « es » es oder sie nennt, auf Englisch, die Sprache der Navigation schlechthin, wird von einem Boot in der weiblichen Form gesprochen. Also sie… She… Hier ist die Frage aber auch, ob wir sie ein Boot oder ein Schiff nennen, und das alte Besitzerpaar, ein Er und eine Sie, sie haben ihr Boot ein Schiff genannt und das gefällt uns so.

Die Hauptfrage im Anfang unserer Idee war: Kaufen oder Mieten?

Nach reichlicher Überlegung, ok, weniger Überlegung sondern eher Trial und Error (« Draufloslegen geht über Überlegen » kann das Motto der Vorbereitungen dieser Reise sein.) haben wir uns für einen Kauf entschieden – denn das Schiff ist eins der HauptteilnehmerInnen dieser Reise, ja sie hat sich inzwischen zur Protagonistin, ja zur Chefin der Reise hochge »arbeitet »… Das Schiff, das uns begegnet ist, übrigens genau zum 4. Geburtstag dieser Idee, nimmt den Mittelpunkt dieser Reise ein, mit allem drum und dran – vieles, was man bei einem gemieteten Boot nicht durchführen konnte. Von der Umbenennung über die innere Gestaltung, z.B. mit einer Bibliothek bis zur Reiseplanung (unsere 40 Tage erstrecken sich schließlich über eineinhalb Jahre) – all das hätten wir mit einem gemieteten Boot nicht machen können. Weiters bleibt bei einem gemieteten Schiff der Vermieter zu stark am Wort im Projekt, und das würde uns einiges an Gestaltungsspielraum wegnehmen. Und schließlich hat sich das Ganze auch als viel teurer erwiesen als ein Kauf.

Also haben wir unser Schiff mit den folgenden Eigenschaften gekauft:

12m Länge und 3.90m Breite

Stahl

’76er Jahrgang (ein Vintage-Stück sozusagen)

15 Tonnen

« custom made » in Schweden

Zwei Masten – Ketch Rigged

73 PS

Ja, und unser Schiff, wie gesagt, hat sich schon in der kurzen Zeit, seit sie zu Wasser gelassen wurde, zur Chefin dieses Projektes profiliert. Und wir haben, bzw. ich, Ani, habe im Nachhinein dazugelernt, was den Kauf eines Schiffes betrifft, auf welche Fragen und Antworten es dabei ankommt:

  • Was waren die früheren BesitzerInnen für Menschen, das spielt eine enorme Rolle bei dem Kauf eines Gebrauchtbootes. Zu welchem Zweck haben sie ihr Boot eher benutzt?
  • Das Boot schaut von draußen gut aus. Ja, auch der Motor schaut gut und gepflegt aus. Wurde er aber gewartet auch? Wie ist das Innenleben des Motors?
  • Wie schaut’s mit dem Akku aus? Wie viele davon gibt es? Wie alt sind die? Sind die getrennt voneinander oder hat der Motor vielleicht einen eigenen Akku und der Kühlschrank und der Rest einen eigenen?
  • Kein Boot kaufen ohne Probefahren! Die Länge der Probefahrt ist sehr wichtig – in einer halben Stunde stellen sich andere Fragen als in zwölf Stunden…
  • Jede noch so kleine und unwichtige Frage muss bei einem Kauf gestellt werden – keine Frage ist sinnlos.
  • Jeder offen gelassene Punkt wird irgendwann, früher oder später, auf sich aufmerksam machen.
  • Alles was schief gehen kann, wird schief gehen.
  • Unter Zeitdruck kann ein Bootskauf sehr kritische Folgen haben.
  • Mit dem Meer ist nicht zu spaßen!